Holz lebensmittelecht behandeln – So versiegelst du Schneidebretter, Schalen und Co

Holz wird immer öfters für Geschirr und Küchenutensilien genutzt. Da stellt sich schnell die Frage, wie kann ich Schneide- und Küchenbretter oder Salatschüsseln lebensmittelecht behandeln.  Oder vielleicht möchtest du auch dein altes Schneidbrett restaurieren.

Im folgenden Artikel, möchten wir ein paar Behandlungsmöglichkeiten genauer vorstellen, die absolut ungiftig für Mensch und Tier sind.

Warum muss Holz versiegelt werden?

Das Versiegeln von Holz hat mehrere Vorteile. Der wichtigste ist, dass das Holz robuster gegen Wasser und Feuchtigkeit ist. Denn wenn Wasser ins Holz eindringt und nicht abtrocknen kann, dann kann es im schlimmsten Fall sogar schimmeln. Viel häufiger kommt aber vor, dass sich Schneidbretter und Schalen verziehen werden, wenn sie immer wieder Feuchtigkeit ausgesetzt sind.
Schneidbrett lebensmittelecht behandeln
Ein Schneidebrett muss lebensmittelecht behandelt werden

Hinzu kommt, dass geöltes oder behandeltes Holz einfach eine schönerer Optik und Haptik hat als unbehandeltes Holz. Zudem ist es unempfindlicher gegen Flecken und Schmutz.

Eine Ausnahme gibt es aber, die wir kennen. Das sind Holzwaren aus Ahorn. Denn Ahorn hat die Fähigkeit sich selbst zu reinigen. Deshalb ist Ahorn ein Holz, das sich gut für Lebensmittel eignet. Bei diesem Holz ist es auch nicht unbedingt notwendig, es mit Öl oder anderen Mitteln zu behandeln – schaden tut es aber auch nicht.

Ist „Freigegeben für Kinderspielzeug“ gleichzeitig für Lebensmittel geeignet?

Viele Holzöle und andere Pflegeprodukte sind nach der DIN EN 71-3 für Kinderspielzeug freigegeben. Diese Holzpflegeprodukte sind mit der DIN 53160 auf Speichel- und Schweißechtheit geprüft. Aber heißt das auch, dass diese dann für Lebensmittel freigegeben sind?

Holzöle nach DIN EN 71-3 können für Arbeitsplatten und Küchenschränke genutzt werden.

Die DIN EN 71-3 sagt zwar aus, das ein Kind das behandelte Holz gefahrlos in den Mund nehmen kann, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Zudem wird sich das Öl auch nicht vom Holz lösen. Also sollte es doch problemlos für Schneidebretter, Kochlöffel und Co nutzbar sein. Jein. Für Arbeitsplatten, Küchenschränken oder Messergriffe können wir Pflegeprodukte nach DIN EN 71-3 bedenkenlos empfehlen. Für Hölzer die direkt mit Lebensmittel in Kontakt kommen, sind diese Öle unserer Meinung nach nur bedingt geeignet. Auch wenn die landläufige Meinung ist, dass Holzöle und -Wachse lebensmitteltauglich sind, wenn sie für Kinderspielzeug zugelassen sind, wollen wir uns dieses Thema etwas genauer ansehen.
Holzöl Kinderspielzeug
Geeignet für Kinderspielzeug heißt nicht lebensmittelecht

Warum sind Holzöle nach DIN EN 71-3 für Küchenbretter und Co nur bedingt geeignet?

Wie wir gerade erfahren haben, sagt die Norm nur aus, dass die Öle speichel- und schweißfest sind. Aber in der Küche sind die Hölzer ganz anderen Belastungen ausgesetzt.

Bei Schneidbrettern wird mit scharfen Messern geschnitten? Was passiert, wenn (kleine) Teile des Pflegeproduktes abgekratzt werden und dann ins Essen gelangen? Oder haltet das Öl auch, wenn mit dem Kochlöffel in 100°C warmer Suppe umgerührt wird? Und wie schaut es bei der Salatschüssel aus? Ist das Holzöl auch gegen Essig oder andere Säuren gewappnet? Und last but not least, wie schaut es aus, wenn das Holz in warmen Spülwasser landet?

Du siehst schon, speichel- und schweißecht bedeutet noch lange nicht, dass das Holz auch den Ansprüchen in einer Küche standhält.

Spielzeugtaugliche Holzöle und Wachse enthalten Zusätze

Du fragst dich jetzt sicherlich, was passieren kann, wenn solche kleinen Reste in deinem Essen landen können. Vorab, wahrscheinlich nicht viel. Aber wie bei fast allem ist die Dosis, die Schaden anrichten kann. Unsere Meinung ist einfach, umso natürlicher umso besser.

Fertig gemischte Öle bestehen in der Regel aus pflanzlichen Ölen und Wachsen, sowie sogenannten Sikkative (Trocknungsstoffen) und/oder Lösungsmittel. Das können Terpentinöl, Zitrusöle, aber auch Kobalt- oder Manganverbindungen sein. Gerade die Lösungsmittel werden zwar beim Trocknen rückstandslos verdampfen. Aber trotzdem sind in den Ölen einfach natürliche und synthetische Stoffe enthalten, die mit dem Holz in Kontakt kommen.

Für Arbeitsplatten, Tische oder Schränken ist das gut, denn durch diese Stoffe bildet das Öl schneller eine Schutzschicht und ist somit auch schneller belastbar. Aber auf einem Brotzeitbrett oder Kochlöffel möchten wir ungern diese Stoffe haben. Zumal die Hersteller auch keine Angaben machen, wie sich die Öle bei den anfallenden Beanspruchungen in der Küche verhalten.

Wie lässt sich Holz in der Küche dann lebensmittelecht behandeln?

Öle und Wachse wurden schon Jahrhunderte bevor es die chemische Industrie gab, zum Behandeln von Hölzern genommen. Und diese Produkte und Techniken funktionieren heute noch genauso gut, wie anno dazumal.

Holz lebensmittelecht mit Speiseölen behandeln

Das naheliegendste ist das Holz mit einem Lebensmittel einzulassen, den wir auch auf unserem Teller finden. Deshalb verwenden wir für Schneide- und Küchenbretter gerne Speiseöl zum behandeln.

Olivenöl und andere Speiseöle eignen sich nicht für die Holzbehandlung

Aber nicht alle Speiseöle sind dafür geeignet. Viele empfehlen zum Beispiel Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Aber diese Öle sind keine aushärtenden und können im schlimmsten Fall ranzig werden oder schimmeln.

Speiseöle die sich gut zur Holzbehandlung eignen sind Nussöle (Erdnuss-, Hasel-, Walnuss- oder Tungöl), reines Leinöl, Distelöl oder Mohnöl.

Wir selber verwenden am liebsten Erdnussöl. Das hat folgenden Grund. Es ist preiswert, härtet schnell aus und ist geruchs- und farbneutral.

Nichtsdestotrotz dauert es bei den genannten Ölen etwas länger, bis sie komplett ausgehärtet sind. Man spricht in der Regel von 2 bis 10 Wochen, bis die Öle komplett ausgehärtet sind.

Um den Aushärteprozess zu beschleunigen, kannst du aber Isopropanol ( reiner Alkohol) oder Citrusöle (Orangen- oder Zitronenöl) hinzufügen. Das sind (natürliche) Lösungsmittel, die komplett verdunsten. Wir verzichten aber auf diese Lösungsmittel ebenfalls komplett.

Erdnussöl Holz behandeln
Erdnussöl ist sehr gut für die Holzbehandlung geeignet

Naturwachse als lebensmittelechter Holzschutz

Einige Kollegen verwenden auch Naturwachse um Küchenutensilien lebensmittelecht zu imprägnieren.

Dazu gehören in erster Linie, Bienenwachs und Carnaubawachs. Diese Wachse sind vollkommen ungiftig, bilden aber auch keine 100% abriebfeste Schutzfläche. Aber für Salatschalen kann die Wachsschicht als zusätzliche Feuchtigkeitssperre dienen.

Du kannst auch, ein Hartwachsöl selber herstellen aus Speiseölen und Bienenwachs. Wie das funktioniert haben wir in unserem Blog schon ausführlich erläutert.

Geheimtipp: Schalen mit Holzbutter einlassen

Seit geraumer Zeit gibt es das noch etwas unbekannte Produkt Holzbutter auf dem Markt. Die Butter besteht aus natürlichen Stoffen und ist laut Hersteller komplett frei von Lösungsmitteln und Konservierungsstoffen. Theoretisch lässt sich das Produkt sogar als Hand- oder Lippenbalsam benutzen.

Das Produkt wurde nach einem alten „Schweizer Rezept“ gemischt und verleiht dem Holz eine atmungsaktive und seidenmatte Oberfläche.

Die Holzbutter ist zudem mehrere Jahre haltbar und ist mit einem Preis von ca. 15 € noch relativ preiswert.

Ein ähnliches Produkt auf Kokosöl und Bienenwachs Basis ist das Brettfett von Atelier-Ferox.

Food Safe von Chestnut eine chemische Versiegelung, die lebensmittelecht ist

In Drechslerkreisen hört man oft von Food Safe des Herstellers Chestnut, wenn es um Lebensmittel und Holz geht. Das Produkt wurde auch von einigen Behörden getestet und freigegeben. Es feuert das Holz nicht an und bildet eine wasserabweisende Oberfläche.

Aber es wird gewarnt, dass das Öl unbedingt 24 h aushärten soll bevor es mit Lebensmittel in Kontakt kommt. Des Weiteren ist ein Sicherheitshinweis, dass man bei Verschlucken unbedingt einen Arzt kontaktieren soll.

Zwar deutet das nur darauf hin, dass das Öl im flüssigen Zustand giftig ist, ausgehärtet jedoch unbedenklich ist. Aber für uns kommt das damit nicht in Frage, da wir lieber rein ökologische Stoffe verwenden wollen. Ausführlichkeitshalber wollen wir dieses Produkt, das bei einigen Kollegen sehr beliebt ist, trotzdem erwähnen.

Chestnut Foodsafe

Fazit: Holz lässt sich mit ökologischen Wachsen und Ölen lebensmitteltauglich behandeln

Wenn ein Holzöl oder Hartwachsöl für Spielzeug zugelassen ist, heißt das noch lange nicht, dass es für Lebensmittel geeignet ist.

Wir sind der Meinung Küchenbretter, Kochlöffel und andere Holzutensilien in der Küche sollten ökologisch behandelt werden. Deshalb verwenden wir für die Holzbehandlung hauptsächlich Erdnussöl und Bienenwachs.

Aber der Markt hat noch andere Produkte, wie Food Safe oder Holzbutter, die direkt für Lebensmittel zugelassen sind.