Gipfelholz fragt… Messerbauer Steffen Meyer antwortet

“Gipfelholz fragt” ist die bekannte und beliebte Kategorie auf unserem Blog, in der andere Künstler und Kollegen ihre Arbeit und Kunstwerke vorstellen können.

In der heutigen Ausgabe stellt sich der Messerbauer Steffen Meyer unseren Fragen….

Steffen Meyer kam über Umwege zum Messerbau

Hallo Steffen, erst mal Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Möchtest du dich mal kurz vorstellen. Wer bist du und was machst du so?

Wer ich bin. Ich bin Steffen Meyer, 38 Jahre alt, gelernter Zimmermann und mittlerweile hauptberuflicher Messermacher. Ich wohne in Buchholz in der Nordheide mit meiner Frau und zwei kleinen Kindern.

Badlander Meyer
Copyright by Anna Brauns

Du baust also Messer. Wie bist du dazu gekommen? War es von Anfang an dein Plan Messerbauer zu werden?

Nein, mein Plan war es nie, Messermacher zu werden. Ich habe damals als Hobby alte Messer gesammelt und diese wieder aufbereitet. Dann bekam ich ein altes Jagdmesser aus Solingen in die Hände. Bei diesem war der Hirschhorngriff locker und ich konnte ihn leicht entfernen.

Als ich dann die lose Klinge in den Händen hielt, fragte ich mich: Wie bekomme ich jetzt da einen Griff montiert? Da ich keine Ahnung hatte, wie so etwas gemacht wird, habe ich mir das Buch „Kleines Brevier vom Messer machen“ von Bo Bergmann gekauft.
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Steffen Meyer baut auch alles, was zu einem Messer dazu gehört.
In diesem Buch konnte ich mir einen theoretischen Überblick über das Thema verschaffen und wurde auch schon gleich auf die Anfängerfehler hingewiesen. Dann ging es ganz schnell. Ich bestellte meine ersten Materialien und habe dann die ersten Messer, noch mit fertiger Klinge, gebaut und die passenden Lederscheiden dazu genäht.
 
Anfang 2009 sind wir nach Buchholz gezogen und ich konnte Schritt für Schritt meine Werkstatt ausbauen und nach und nach so optimieren, dass alles fürs Messer machen passt.

Wie hast du das Messerbauen gelernt? Hattest du einen Mentor oder hast du dir alles selber beigebracht?

Steffen Meyer
Copyright by Anna Brauns
Einen Mentor hatte ich nicht. Ich habe mir mein Wissen aus Büchern geholt und das Internet zu allen möglichen Messerbau-Themen durchsucht und immer mehr über das Messer machen gelernt. Vom Klingen schleifen, Klingen härten bis zu Griffe und Lederscheiden herstellen habe ich mir alles autodidaktisch beigebracht. 
 

Nachdem ich durch einen Bandscheibenvorfall berufsunfähig wurde, habe ich alles auf eine Karte gesetzt und mich nur aufs Messer machen konzentriert.

Steffen Meyer war zur rechten Zeit am richtigen Ort

In der Messerszene sind deine Werke ja durchaus ein Begriff. War dir von Anfang an bewusst, dass es in diese Richtung gehen kann? Oder gab es da einen Vorfall, der dir hilfreich war, dass deine super Arbeit einem größeren Publikum bekannt wurde?

Zuerst habe ich ja nur auf meiner Fb-Seite Meyers Messer ausgestellt. Ich war zwar noch kurz im Messerforum, aber der richtige Run ging erst im Badlands Forum los. Mittlerweile ist das Forum zwar geschlossen, aber dort war ich einige Zeit lang sehr aktiv.
 
Vor sechs Jahren gab es dann diesen Fernsehbeitrag, der von jemandem in den Fb-Gruppen geteilt wurde. So wurde ich dann in die Facebookgruppe eingeladen.

Der Fernsehbeitrag über Steffen Meyer

Von da an ist dann auch der Anspruch an meine Arbeit gestiegen. Ich habe meine Handwerkskunst immer weiter optimiert, fragte Leute, die Messer benutzen, was an einem Messer wichtig ist, und worauf man achten muss.
 
Das war sehr lehrreich für mich, da ich meine eigenen Messer kaum bis gar nicht benutze. Mir reichen meine Küchenmesser. Aber ich wollte alles wissen, damit ich immer besser wurde und die Leute Freude an meiner Arbeit haben und ein schönes handgemachtes Messer bekommen.
 
Mir macht das Anfertigen von Messern einfach Spaß. Das ist genau mein Ding. Die Zeit in der Werkstatt ist für mich immer wieder aufs neue herrlich. Es ist schon fast magisch, wie aus einem Stück Stahl und ein bisschen Holz am Ende so ein schönes Werkzeug entsteht.

Mit YouTubern und Bushcraftern schaffte Steffen den Durchbruch

Später kam ich dann mit YouTubern und Bushcraftern über die Messerfreunde auf Facebook in Kontakt und dort wurde ich gefragt, ob ich nicht ein Messer für die Jungs bauen könnte. Die Leute haben es dann auf ihren YouTube Kanälen vorgestellt.

Vorstellung des Badlanders bei YouTube

Von da an bekam ich zu Spitzenzeiten sehr viele Nachrichten. Das ging mehrere Jahre lang, in denen ich fast nur gearbeitet habe. Bis ich mich dann entschied, einen Gang herunter zu schalten. Ich wollte nicht noch größer werden und Leute einstellen oder eine große Werkstatt mieten müssen. Das wäre bestimmt gegangen, aber ich will lieber gemütlich in meinem Keller vor mich hinarbeiten und mein eigener Herr bleiben.

Wie gehst du bei deinen Messern vor? Baust du was der Kunde möchte oder muss der Kunde kaufen was du baust?

Das läuft eigentlich ganz problemlos ab. Ich habe in meiner Werkstatt viele Stähle vom Kohlenstoffstahl über Damast, bis hin zum rostfreien Messerstahl und vielen Griffmaterialien.
 
Ich schlage dann dem Kunden etwas vor oder er sagt, was er möchte. Manchmal kommen die Kunden auch mit einer Zeichnung, wenn sie genaue Vorstellungen haben. 
Aber ich fertige auch sehr gerne Messer im Freestyleverfahren an.

Du gibst ja deinen Messern auch Namen, die für eine bestimmte Bau- oder Messerart stehen. Möchtest du uns mal deine Modelle aufzählen?

Die Namen sind von Anfang an durch meine Kunden oder durch mich entstanden. Ich baue zum Beispiel den Badlander, welcher gut für die Jagd und Outdoortätigkeiten geeignet ist, das Necklander, was sich als kleines EDC führen lässt, oder das Okami, das ein super Allrounder für die Küche ist. Dann gibt es noch das SMFC, Reaper, Merlin, Gurkha-Scandi, Phorster, Kinami usw. Die Messer kann ich so sehr gut auseinander halten und für den Kunden ist es einfacher, wenn dieser eine Bestellung abgibt.

Ich kann auch alles mögliche an Messern für jede erdenkliche Arbeit anfertigen. Vom Messer fürs Grobe bis hin zu sehr fein ausgeschliffenen Klingen für Scandi-Schnitzmesser, mache ich alles. Für die Küche fertige ich vom Großen bis zum kleinen Messer alles, auch Brotmesser sind kein Problem.
Das Einzige, was ich nicht kann, sind Klappmesser. Damit habe ich mich noch nie beschäftigt.

Meyers Messer erhielten ein paar Auszeichnungen

Du verwendest ja sehr edle Stähle und Materialien. Was war bisher dein edelstes Messer, dass du gebaut hast?

Das war 2017 für einen Wettbewerb im Messer Magazin. Walroßzahn-Griff mit Damastabschluss und einer Sanmai-Damast Klinge, geschmiedet von Uwe Heieck. Dazu gab es eine Scheide aus Pellrochenhaut. 
 
Mit diesem Messer belegte ich im Wettbewerb den zweiten Platz.
 
Aber auch einen ersten Platz habe ich mit einem Küchenmesserset aus Damast und Wüsteneisenholz zur gleichen Zeit gemacht.
 
Sonst finde ich, dass Mammutbackenzahn und rostfreier Damast eine sehr feine Kombination sind. Handgeschmiedeten Damast mag ich auch sehr gerne verarbeiten, wobei ich im Grunde ja alles am Messerbau mag.

Gibt es noch ein Material oder Stahl, den du unbedingt mal verwenden möchtest?

Nö, da habe ich keine Wünsche. Es kommt zwar vor, dass ich etwas sehe und das dann auch auf der Werkbank haben will. Aber da ich sowieso schon fast alles verarbeitet habe, steht jetzt kein Material ganz oben auf meiner Wunschliste.

Du machst ja auch hervorragende Lederscheiden, hast du dir überlegt im Bereich Leder mehr anzubieten? Oder sagst du Schuster bleib bei deinen Leisten?

Ich habe zwar früher Lederarbeiten für andere Messer gemacht. Aber heute mache ich nur noch für meine selbstgemachten Messer die Lederscheiden.

Das Messer bauen ist Steffen Meyers Leidenschaft

Wie sieht ein herkömmlicher Arbeitstag bei dir in der Werkstatt aus? Und hast du eine Lieblingsarbeit? Oder zählt eher der ganze Messerbauprozess dazu?

Ich starte mein Arbeitstag morgens und arbeite den ganzen Vormittag. Danach gibt es Mittagessen und Zeit mit meinen Kindern. Nachmittags entscheide ich mittlerweile spontan, was ich mache. Ich bin auch allgemein dazu gekommen, dass ich die Arbeit so erledige, wie es mir am besten passt. Das kann an einem Tag Schleifen sein, am anderen Tag Lederarbeit und dann wieder die Griffe schön machen. 
Da mir aber die Arbeit nach wie vor Spaß macht und ich es auch als Hobby bezeichne, kommt es mir schon manchmal wie ein Rentnerleben vor. Einfach das zu machen, auf das ich Lust habe. Aber für mich gibt es dadurch kein Wochenende. Für mich ist der Sonntag genauso ein Tag, wie der Montag. So kann ich mir meine Zeiten komplett frei einteilen und achte auf das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung.
Copyright by Anna Brauns

Wie siehst du dich in der Zukunft? Bist du vielleicht schon angekommen, da wo du sein willst? Oder hast du noch berufliche Wünsche, die du verwirklichen magst?

Ich mache mir keine großartigen Gedanken über die Zukunft. Ich lebe heute und genieße jeden Tag, so gut es geht. Klar, alltägliche Dinge plane ich schon noch.
 
Aber berufliche Ziele habe ich im Moment keine. Ich bin mit meinem Beruf als selbstständiger Messermacher mehr als zufrieden. 
Private Ziele sind natürlich gesund bleiben, Sport treiben, Zeit mit der Familie zu verbringen und das Leben genießen. 
 
Aber wie schon erwähnt, eine große Werkstatt mit Angestellten, das ist kein Ziel von mir. Vor allem, da meine Kinder noch klein sind und ich jetzt die Zeit mit ihnen verbringen kann. Ich übernehme daheim die Hausarbeit, da meine Frau berufstätig ist. Von daher bin ich da im Moment auch gut beschäftigt. Was in zehn Jahren ist, kann und will ich heute noch nicht sagen….

Wie kann man dich kontaktieren? Bist du nur über Facebook und deine Webseite zu erreichen? Oder gibt es Treffen, Ausstellungen oder vielleicht sogar ein Geschäft, wo man deine handgemachten Messer bewundern und erwerben kann.

Am besten kann man mich über die digitalen Wege, wie Facebook, WhatsApp, Email, Instagram erreichen oder einfach anrufen.
Sonst bin ich nicht auf Messer-Messen oder Märkten zu finden. Auch ein Ladengeschäft habe ich nicht. 

Danke Steffen, dass du dir Zeit für uns genommen hast und weiterhin viel Erfolg mit deinen handgemachten Custom-Messer.

Steffen Meyer Kontakt:

  • Tel: 01520-9167612
  • Email: meyers-messer@gmx.de
  • FB-Profil: facebook.com/steffen.meyer.54