Gipfelholz fragt – Holzwurm by PM antwortet


Gipfelholz fragt” ist die bekannte und beliebte Kategorie auf unserem Blog, in der andere Künstler und Kollegen ihre Arbeit und Kunstwerke vorstellen können.

In der heutigen Ausgabe fragen wir die Treibholzkünstlerin Esther Pscheidt von Holzwurm by PM aus dem Mittelrheintal.

Der Holzwurm ist vom Treibholz fasziniert

Esther Pscheidt
Esther Pscheidt mit ihrer treuen Mitarbeiterin Emma

Hallo Esther und Stefan, willkommen zum Interview von Gipfelholz. Ihr veröffentlicht Kunstwerke aus Treibholz unter dem Namen „Holzwurm by PM“. Was bedeutet der Name und wie seit ihr darauf gekommen?

Puuh, wie sind wir auf den Namen gekommen???? Ich glaube, Holzwurm war das naheliegendste für uns, da der Holzwurm sich oftmals wunderschöne Strukturen erfrisst und ich mich in meinem Leben auch schon oft durchbeißen musste – und wie der Holzwurm – nicht kaputt zu bekommen ist

Wir von Gipfelholz sind ja auch vom Treibholz infiziert….wie seit ihr auf dieses wunderbare Material gestoßen und wann habt ihr festgestellt, dass sich daraus so schöne Objekte bauen lassen?

Ich liebte schon immer Wasser, Wind und das was daraus entsteht. Treibholz verbindet dieses alles ganz wunderbar. Es ist von der Natur geformt. Ich habe auch immer wieder Stücke mit nach Hause genommen und sie im Garten liegen lassen. Irgendwann kam der Punkt, da reichte das schnöde rumliegen mir nicht mehr aus.Ich habe dann angefangen das Treibholz und mich auszuprobieren und bearbeitete die ersten Stücke.

Treibholz ist dieses magische Material, das tröstet, einfängt, bändigt und demütig macht. Wenn man das Treibholz zu Hause hat, beginnt eine Veränderung, wir führen das Treibholz einer neuen Bestimmung zu. Es ist kein totes Holz, es ist überaus lebendig. Für mich ist es immer das Schönste das Treibholz zu fühlen und zu erspüren.

Was es überhaupt braucht?  Vielleicht zu erahnen, was es erlebt hat? Es aber trotzdem nie tatsächlich zu erfahren. Schlussendlich ist es auch ganz egal. Was, wie oder woher. Treibholz ist für mich Magie

Der Holzwurm setzt sich für die Umwelt ein

Ihr verbaut ja nicht nur Treibholz sondern sammelt auch Müll am Rhein. Und manchmal baut ihr diesen achtlos weggeworfenen Unrat sogar in eure Kunstwerke mit ein? Möchtet ihr was unseren Lesern zum Thema Müll und Nachhaltigkeit mit auf dem Weg geben?

Eigentlich nur einen Satz, der schon im WorldWibeWeb kursiert. Wenn jeder auf einem seiner Spaziergänge nur drei Teile Müll aufhebt, mitnimmt und entsorgt, hätte unsere Natur und somit auch wir, weniger Probleme zu bewältigen. Und natürlich möchte ich auch der Natur etwas für mein Holz zurückgeben.

Rhein Müll sammeln
Esther Pscheidt sammelt nicht nur Treibholz am Rhein

Was war euer kuriosester bzw. schönster Fund?

Der kurioseste Fund? Da gibt es einige. Ein Tablett, eine Haushaltswaage aus den 19. Jahrhundert, Puppenköpfe, wild zerzaust, Schuhe, Schuhe und nochmals Schuhe.

Die Werkstatt ist klein und übersichtlich

Wie schaut es in eurer Werkstatt aus? Habt ihr viele Maschinen/Werkzeug und was ist euer Lieblingswerkzeug?

Viele Maschinen haben wir gar nicht. Flex, Bohrmaschine, verschiedene Schleifmaschinen, Ständerbohrmaschine und meine heißgeliebte Nano-Blade-Säge. Was dann auch die Frage nach meinem Lieblingswerkzeug beantwortet. Aber am sichersten sind die eigenen Hände, die das Schleifpapier führen

Was war euer schönster Auftrag und wie reagieren die Menschen auf euer Tun?

Esther Pscheidt Treibholzkunst
Esther Pscheidt bei der Arbeit

Mein nächster Auftrag wird wohl aber mein vorerst emotionalster Auftrag. Ich freue mich sehr darauf diesen Wunsch zu erfüllen und bin mir sicher, dass bei mir die Tränen fließen werden. Aber auch das gehört dazu, Treibholz verbindet. Mittlerweile reagieren die Menschen mit Anerkennung auf unser Tun. anfangs doch arg belächelt, sind die Stimmen verstummt, die uns ein wenig verspottet haben,

Wollt ihr mit eurer Treibholzkunst eine Botschaft mitteilen oder baut ihr einfach, was euch und euren Kunden gefällt?

In erster Linie geht es mir darum, Ressourcen zu nutzen. Nicht immer muss man alles neu, alles schick und möglichst teuer haben. Die Leute finden auch immer mehr Gefallen am Kunsthandwerk

Ich mache das, was ich für gut halte, was ich glaube. Das steht dem einzelnen Treibholz dann auch später gut. Ich mache alles nach Gefühl. Ganz wichtig für mich ist: Es geht mit jedem verkauften Stück auch  ein Stück von mir mit.

Kundenaufträge erfülle ich sehr, sehr gerne und sehe es immer wieder als neue Herausforderung. Aber ich hatte bisher auch das Glück, dass ich nur wenige Vorgaben von meinen Kunden bekam. So habe ich relativ viel Handlungsfreiheit, was mir auch wichtig ist.

Es passiert durchaus auch, dass ich Wünsche verändere, weil ich versuche die Form des Treibholzes beizubehalten. Und wenn ein Kunde ein Schild mit 30 cm Länge haben möchte, muss er bereit sein auch mal zu warten bis ich ein passendes Stück habe. Oder er geht Kompromisse ein. Aber bisher haben wir immer einen Weg gefunden

Ihr seit ja auch mit sämtlichen Holzkünstler gut vernetzt. Welchen Vorteil seht ihr darin und kommen da keine Konkurrenzgedanken auf?

Austausch und Hilfestellung. Die Holzkünstler, die ich bisher kennenlernen durfte, sind ausnahmslos tolle Menschen, sofern man das über das Internet sagen kann. Es entstehen sogar Freundschaften, lernt sich irgendwann sogar persönlich kennen. Konkurrenzgedanken überhaupt nicht. Treibholz wird so vielfältig be- und verarbeitet. Das ist spannend, manchmal unglaublich und großartig. Jeder hat so seine Nische und ich finde alle so so toll

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft oder seit ihr komplett zufrieden, wie es läuft?

Ich bin 100% komplett zufrieden!! Oh, doch eines. Wir brauchen Regen und somit Wasser im Rhein, damit auch wieder was angeschwemmt werden kann

Der Holzwurm im Netz

Vielen Dank Esther, dass du dir etwas Zeit für unsere Fragen genommen hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Freude und Erfolg mit deiner Holzkunst.